Praxis & Dokumente
Persönliche Schutzausrüstung (PSA)
Vom Arbeitgeber bereitzustellende Ausrüstung, die den Beschäftigten vor Gefahren schützt – letzte Stufe im T-O-P-Prinzip.
Redaktionell verantwortlich: Daniel von Sekurio · Inhalt aktualisiert: · Redaktionsstatus
Persönliche Schutzausrüstung (PSA) umfasst alle Ausrüstungen, die eine Person am Körper trägt, um sich vor Gefahren zu schützen – Helm, Handschuhe, Schutzbrille, Sicherheitsschuhe, Gehörschutz, Atemschutz. Rechtsgrundlage sind die PSA-Benutzungsverordnung (PSA-BV) und die EU-Verordnung 2016/425. Wichtig: PSA ist die letzte Verteidigungslinie im T-O-P-Prinzip – nie die erste.
Pflichten des Arbeitgebers
Nach § 3 ArbSchG und § 2 PSA-BV müssen Sie:
- PSA kostenlos bereitstellen (kein Abzug vom Lohn, keine Kaution).
- PSA passend zur Gefährdung auswählen – Grundlage ist Ihre Gefährdungsbeurteilung.
- Nur CE-zertifizierte PSA verwenden.
- Beschäftigte in Nutzung, Wartung und Lagerung unterweisen – bei PSA gegen tödliche/dauerhafte Gefahren (Absturz, Atemschutz) sogar mit praktischer Übung.
- PSA in gebrauchsfähigem Zustand halten (Prüfung, Ersatz, Reinigung).
- Personenbezogene Zuweisung, wo hygienisch erforderlich (Handschuhe, Atemschutz).
Die 3 PSA-Kategorien
Die EU teilt PSA in drei Risikoklassen ein – daraus folgen Prüf- und Unterweisungspflichten:
- Kategorie I (geringes Risiko): z. B. Gartenhandschuhe, einfache Sonnenbrille. Selbstzertifizierung durch Hersteller.
- Kategorie II (mittleres Risiko): z. B. Sicherheitsschuhe, Schutzbrille, Gehörschutz. Baumusterprüfung durch benannte Stelle.
- Kategorie III (hohes/tödliches Risiko): z. B. Absturzsicherung, Atemschutz gegen giftige Gase, Chemikalienschutz. Jährliche Unterweisung mit praktischer Übung Pflicht, laufende Überwachung des Herstellers.
Branchenbeispiele
- [Handwerk / Elektro](/gbu/handwerk-elektro): Sicherheitsschuhe S3, Schutzbrille, Gehörschutz, Schnittschutzhandschuhe, Absturzsicherung ab 2 m.
- [Gastronomie](/gbu/gastronomie-restaurant): Rutschhemmende Schuhe (SRC), Schnittschutzhandschuh Küche, Hitzeschutzhandschuh am Ofen.
- [Friseur / Kosmetik](/gbu/friseursalon): Chemikalienschutzhandschuhe beim Färben (Pflicht nach TRGS 401), Mundschutz beim Blondieren.
- [Büro / Verwaltung](/gbu/buero-verwaltung): in der Regel keine PSA – aber Bildschirmbrille auf ärztliche Verordnung ist Arbeitgeberpflicht.
Die häufigsten Fehler in der Praxis
- PSA als Ersatz für Technik: Wer Gehörschutz austeilt, statt die Maschine zu kapseln, verstößt gegen § 4 ArbSchG.
- Keine Unterweisung: Handschuhe hinlegen reicht nicht – Beschäftigte müssen Nutzung, Grenzen und Pflege kennen.
- Fehlende [Betriebsanweisung](/lexikon/betriebsanweisung): Vor allem bei Chemikalienschutz und Atemschutz Pflicht.
- Ablauf ignoriert: Absturzsicherungen und Chemikalienhandschuhe haben ein Verfallsdatum – regelmäßige Prüfung dokumentieren.
- Falsche Passform: PSA muss zur Person passen. Ein zu großer Helm oder zu kleine Handschuhe schützen nicht und sind rechtlich wie keine PSA zu werten.
Kosten – wer zahlt was?
Grundsatz: Der Arbeitgeber zahlt – immer. Sie dürfen die Kosten weder abziehen noch als Kaution einbehalten. Verlässt ein Mitarbeiter den Betrieb, gehört die PSA zurückgegeben (personenbezogene Ausrüstung wie Innenschuhe darf er behalten).
Richtwerte pro Mitarbeiter/Jahr:
- Büro: 0–50 €
- Gastronomie / Friseur: 50–200 €
- Handwerk / Bau: 300–800 €
Häufige Fragen
Darf ich Mitarbeitern die PSA vom Lohn abziehen?
Nein. § 3 Abs. 3 ArbSchG untersagt ausdrücklich, dass Beschäftigte Kosten für Arbeitsschutzmaßnahmen tragen. Auch eine „Kaution“ ist unzulässig.
Was tun, wenn Mitarbeiter die PSA nicht tragen?
Sie müssen die Nutzung durchsetzen (Direktionsrecht). Erst mündlich ansprechen, dann schriftlich abmahnen, im Wiederholungsfall kann die Kündigung gerechtfertigt sein. Wichtig: Dokumentieren Sie jede Ansprache, sonst haften Sie bei einem Unfall mit.
Wie oft muss PSA geprüft werden?
Bei Kategorie III (Absturz, Atemschutz, Chemikalienschutz) mindestens jährlich durch eine befähigte Person, dokumentiert. Bei Kategorie II vor jeder Benutzung durch den Träger (Sichtprüfung).
Zählt eine private Sonnenbrille als PSA?
Nein. Nur CE-zertifizierte Modelle mit passender Schutzstufe erfüllen die PSA-Anforderungen. Private Sonnenbrillen können sogar gefährlich sein, weil sie Pupillen erweitern, ohne UV abzuhalten.
Grundlagen und Primärquellen
Diese Quellen wurden diesem Beitrag konkret zugeordnet. Maßgeblich bleibt die aktuelle Fassung beim jeweiligen Herausgeber.
- PSA-Benutzungsverordnung (PSA-BV)
Bundesministerium der Justiz / Bundesamt für Justiz · Bereitstellung und Benutzung persönlicher Schutzausrüstung · Quelle geprüft am
- Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)
Bundesministerium der Justiz / Bundesamt für Justiz · Grundpflichten, Gefährdungsbeurteilung, Dokumentation, Unterweisung und Verantwortliche · Quelle geprüft am